Wahlprogramm

Moormerland ist eine Erfolgsgeschichte

Die Gründung der Gemeinde Moormerland am 1. Januar 1973 war der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Seitdem entwickelt sich unsere Gemeinde täglich weiter. Es gibt Kennzahlen wie die Einwohnerzahl oder das jährliche Haushaltsvolumen, die das Wachstum Moormerlands dokumentieren.

Wandel der Politik ist unausweichlich

Heute jedoch stehen wir an einem Scheideweg. Nicht alle Erfolgsrezepte der letzten 50 Jahre können auch die Rezepte der nächsten 50 Jahre sein. Wir sehen uns mit Klimawandel, Artensterben und zunehmender sozialer Ungleichheit konfrontiert (Letzteres durch Corona noch verstärkt). Wir wissen inzwischen, dass die reine Lehre »Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es auch den Menschen gut« nicht mehr zutrifft. Wir fragen heute nach der ethischen Performance unseres wirtschaftlichen Handelns: Vermehren wir unseren Wohlstand zu Lasten kommender Generationen? Verbrauchen wir mehr Ressourcen, als unsere Umwelt in der Lage ist nachzubilden?

Wirtschaftliche Tätigkeit muss dem Gemeinwohl dienen

An die Seite der traditionellen Wirtschaftspolitik gehört eine moderne Gemeinwohlpolitik. Dabei ist die Gemeinde die politische Ebene, die den Bürger*innen am nächsten steht. Hier fließen die Bedürfnisse und Fähigkeiten einzelner Personen, von Familien, Nachbarschaften, Vereinen und Unternehmen zusammen.

Als Trägerin der kommunalen Selbstverwaltung ist die Gemeinde dem Wohl ihrer Bürger*innen verpflichtet. Es gibt mittlerweile Kommunen, die nicht nur ihre Wirtschaftsleistung sondern auch ihr Gemeinwohl bilanzieren. Zum Beispiel: Nimmt die Gemeinde ihre soziale und ökologische Verantwortung wahr? Werden schwächere Mitmenschen, sozial benachteiligte Personen und Kinder ausreichend geschützt? Sind die Entscheidungsprozesse transparent und demokratisch? Wie aktiv können die Bürger*innen ihre Gemeinde mitgestalten?

Die Arbeit beginnt nicht mit einem weißen Blatt Papier

Egal wer am 12. September die Bürgermeisterwahl gewinnt, niemand wird das neue Amt als ein weißes Blatt Papier vorfinden. Das Hauptgeschäft der Verwaltung sind die Aufgaben innerhalb der bestehenden Strukturen und die Umsetzung von Vorgaben von übergeordneten Ebenen. Der kreative Gestaltungsspielraum des/der Bürgermeister*in ist begrenzt und muss darum konsequent genutzt werden.

Veränderungen sind dringend geboten. Als Bürgermeister stehe ich dennoch in der Tradition meiner AmtsvorgängerIn. Sie alle haben mitgewirkt, dass die Gemeinde Moormerland eine Erfolgsgeschichte ist. Hieran will ich entschlossen und mit frischen Ideen anknüpfen.

Angemessen Wohnen

Moormerland wächst, Wohnraum ist folglich knapp und teuer. Darum möchte ich einen nachhaltigen und sozialen Wohnungsbau fördern.

Es wird viel über Bauplätze gesprochen. Dabei werden diejenigen vergessen, die sich kein Haus leisten wollen oder können. Wir brauchen darum zentrumsnah preiswerte Mietwohnungen: für junge Menschen, Singles und Paare, für Empfänger*innen von Sozialtransfers wie Hartz-IV oder Grundsicherung im Alter. Senioren benötigen dabei oft barrierefreie Wohnungen. Als Bürgermeister werde ich diese Bedarfsgruppen stärker berücksichtigen.
Alternative Wohnformen, generationen-übergreifend, ökologisch nachhaltig, konsumreduziert (Tiny Häuser), müssen in Moormerland ebenfalls einen Platz finden.
Junge Paare / Familien sollten einen Zuschuss + kostenlose Beratung erhalten, wenn sie alte Häuser sanieren wollen.

Ich möchte, dass die Problematik des Flächenverbrauchs in der Gemeinde stärker thematisiert wird. Grundstücke sollen eine bedarfsgerechte Größe haben. Lücken müssen gezielter zur Bebauung genutzt werden.

Damit Moormerland klimaneutral werden kann, sind energetische Sanierungen an öffentlichen wie privaten Gebäuden notwendig. Die Gemeinde soll hier vorangehen und ihre Bürger*innen unterstützen, z. B. mit der Einstellung eines/einer Klimaschutzmanagers*in, der/die Hausbesitzer*innen kostenlos beraten kann.

Der Erhalt von historischer Bausubstanz und Siedlungsstruktur ist mir wichtig, denn unsere ostfriesische Fehnkultur ist ein Schatz, den wir bewahren müssen.

Gut und sicher leben

Ich werde mich für eine umfangreiche und den unterschiedlichen Bedürfnissen der Eltern entsprechende Kinderbetreuung einsetzen. Der vorhandene Bedarf muss regelmäßig neu ermittelt und angepasst werden.

Im Rahmen der Neugestaltung des Zentrums halte ich es für wichtig, dass das Zentrum nicht nur der Nahversorgung dienen muss, sondern auch dem Bedürfnis nach Kultur,  Freizeit und Gemeinschaft gerecht werden soll. Das Zentrum soll der vitale Mittelpunkt der Gemeinde sein mit öffentlichen Plätzen, Märkten und Freizeitangeboten für Jung und Alt. Es soll ein Ort entstehen, an dem sich alle gerne aufhalten.

Vielerorts in Moormerland erleben wir täglich die massive Privilegierung des Autos im Straßenbild. Besonders deutlich wird dies jedoch im Zentrum. Wir können mit der Gleichberechtigung von Fußgängern und Radfahrern nicht auf eine noch ferne Zentrums-Neugestaltung warten. Es muss hier darum zügig eine Tempo-30-Zone eingerichtet werden. Im Bereich Königsstraße/Theodor-Heuss-Straße sollte eine Fußgängerampel installiert werden.

Insbesondere die Jugendlichen haben sich seit dem Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 stark zurücknehmen müssen. Deswegen ist es jetzt um so notwendiger, auf ihre Bedürfnisse einzugehen.  Eine einfach umsetzbare Möglichkeit ist es, an geeigneten Orten überdachte Treffpunkte zu errichten.

Als Bürgermeister würde ich mich dafür einsetzen, dass unsere Polizei als nahbar und präsent in unserer Mitte wahrgenommen wird. Martialische Sicherheitsdienste mit scharfen Hunden und einen Wildwuchs von Überwachungskameras lehne ich dagegen ab.

Komfortabel unterwegs sein

Moormerland ist flächenmäßig die zweitgrößte Gemeinde im Kreis Leer. Die derzeitige Situation im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist jedoch unbefriedigend. Die Gemeinde muss sich dafür einsetzen, dass die Mittelzentren Leer, Aurich und Emden besser und auch am Wochenende erreichbar werden.

Innergemeindlich müssen Transport-Angebote auch im Hinblick auf die Wiedereröffnung des Bahnhaltepunktes Neermoor neu geschaffen werden. Dabei können solidarische Modelle wie Bürgerbus oder Mitfahrbank aber auch technische Innovationen eine Rolle spielen. Es gibt bereits diverse Modellversuche mit autonom fahrenden Kleinbussen. So ein Modellversuch wäre sicher auch für Moormerland spannend.

Das Moormerländer Radwegenetz ist vielerorts in die Jahre gekommen. Manche Strecken sind aufgrund von Bewuchs oder Bodenunebenheiten nur eingeschränkt befahrbar. Die häufig anzutreffenden kombinierten Fuß- und Radwege sollten ursprünglich Kindern einen sicheren Schulweg ermöglichen. Heutigen Ansprüchen genügen diese Strecken nicht. Moderne Radwege müssen Radgruppen, Berufspendlern, Urlaubern, schnellen E-Bikes und Lastenrädern gerecht werden.

Ich möchte ein „Radwegekonzept 2.0“ auf den Weg bringen. Alle Ebenen müssen dabei eingebunden werden, damit es an Kreis- oder Landstraßen keine Radwege zweiter Klasse gibt.

Kurzfristig muss das Förderprogramm „Stadt und Land“ zur Weiterentwicklung des Radverkehrs angezapft werden. Z. B. könnte so ein Fahrradparkhaus im Zentrum zu 75% vom Bund finanziert werden.

Klima- & Artenschutz

Lassen Sie uns gemeinsam CO2 speichern und wertvolle Lebensräume schaffen. Ich schlage vor, innerhalb von zehn Jahren 24.000 Bäume zu pflanzen. Ein Baum für jede Einwohnerin und jeden Einwohner. Das können kleine Forste sein, schöne Alleen oder ein passender Baum für Ihren Garten, den die Gemeinde bezahlt.


Die Gestaltung öffentlicher Flächen darf nicht länger davon abhängen, dass diese möglichst billig zu unterhalten sind. Die biologische Vielfalt muss durch Einsatz von standortheimischen Pflanzen und Saatgut gefördert werden. Unsere Gewerbegebiete müssen grüner gestaltet werden, z.B. mit Blühwiesen.

Schottergärten dürfen nicht länger toleriert werden. Hier muss massiv Druck auf den Landkreis ausgeübt werden, endlich zu handeln.

Ich trete dafür ein, dass die Gemeinde Moormerland Mitglied wird im deutschlandweiten Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“. Denn nur durch kluge Vernetzung bleiben wir informiert und am Puls der Zeit.

Wenn sensible Lebensräume aufgrund des fortschreitenden Artensterbens existenziell bedroht sind, ist es manchmal notwendig, diese Gebiete langfristig für Besucher zu sperren. Grundsätzlich bin ich jedoch der Überzeugung, dass die Natur mit allen Sinnen erfahrbar sein muss. Lehrpfade sind eine gute Möglichkeit, Kindern und Eltern die heimische Tier- und Pflanzenwelt näher zu bringen.

Wir müssen unsere Ressourcen auch im Kleinen, hier in der heimischen Gemeinde, schützen und nachhaltig nutzen. Denn: „Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geerbt, wir haben sie von unseren Kindern geliehen.“ (Indianisches Sprichwort)

Neue Wege gehen

Viele Vorgänge rund um Verwaltung und Rat der Gemeinde sind schwer nachvollziehbar. Bürger*innen fühlen sich oftmals von den Entscheidungsprozessen ausgeschlossen. Darum ist der Ausbau von Transparenz und Mitwirkungsmöglichkeiten unerlässlich.

Als Bürgermeister möchte ich mich für die schnelle Einrichtung eines Jugendparlaments einsetzen. Es darf nicht sein, dass in Moormerland beständig über Jugendliche aber nicht mit den Jugendlichen gesprochen wird.

Die Sitzung des Gemeinderats sollten live im Internet verfolgt werden können. Diese Form der öffentlichen Beteiligung halte ich für zeitgemäß. Ich sehe aber auch, dass die ehrenamtlichen Politker*innen unter Druck stehen, oft sogar angefeindet werden. Sie haben ein Recht darauf, in einem geschützen Raum zu diskutieren. Darum sollte eine Übertragung nur für registrierte Zuschauer möglich sein.

Digitale Online-Dienstleistungen, die zeitraubende Gänge ins Rathaus erübrigen, sollten schnell ausgebaut werden.

Lange dachte man, ob es einer Gemeinde und ihren Menschen gut geht, sei vor allem vom wirtschaftlichen Wachstum abhängig. Man weiß heute, dass das Wir-Gefühl, das Glück, die Zufriedenheit und der Glaube der Menschen an Gerechtigkeit genauso wichtig sind. Ich möchte darum, dass die Bedeutung des Gemeinwohls zukünftig stärker im Fokus der Moormerländer Politik steht. Ein Baustein hierzu kann die Förderung solidarischer Initiativen sein, in denen Menschen jeden Alters und jeder Herkunft willkommen sind.

Gäste begrüßen

Etwa 100.000 Übernachtungen pro Jahr buchen Urlauber in unserer Gemeinde. Moormerland hat sich im Inlandstourismus als attraktives Ziel etabliert. Mir liegt dabei der nachhaltige Tourismus am Herzen. Ich halte ein hohes Qualitätsbewusstsein bei Unterkünften, Kulturangeboten und bzgl. der von Urlaubern beanspruchten Infrastruktur für unverzichtbar. Die Schaffung moderner alternativer Übernachtungsangebote (Green Tiny House, Baumhaus, Schlaf-Fass) sollte schnell ermöglicht werden.

Der Stellenwert des Tourismus in der Gemeinde sollte sich auch im Sitz der Tourist-Information widerspiegeln. Sofern es keinen Rathaus-Neubau geben sollte, schlage ich darum einen baldigen Umzug in eine barrierefreie und angemessen repräsentative Räumlichkeit im Zentrum vor. 

Moormerland hat Urlaubern viel zu bieten. Geschichte und Geschichten müssen noch sichtbarer werden. Die Gründung eines Kulturvereins, der dies unterstützen kann, wäre darum eine gute Idee.

Mancherorts fehlt es derzeit an der Beschilderung, manche Beschilderung ist seit Jahren in schlechtem Zustand. Die Highlights in der ganzen Gemeinde müssen identifiziert, fortlaufend gepflegt und wenn möglich aufgewertet werden.

Die Paddel-und Pedal-Station Rorichum könnte mit einem gastronomischen Angebot wie z. B. einem Melkhuske an Bedeutung gewinnen.